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- mo.
Siem Reap, Anfang April
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- In
Anwesenheit von Ministerpräsident Hun Sen ist
Anfang April eine neue Chirurgieabteilung am
Kinderspital Jayavarman VII., in der dezentral
gelegenen nordkambodschanischen Stadt Siem Reap,
eingeweiht worden. Das
- Spital
ist die vor Jahresfrist eröffnete dritte der
Pädiatriekliniken, die der Zürcher
Kinderarzt Beat «Beatocello» Richner seit
1991 im zuvor jahrzehntelang durch Vietnamkrieg,
Terror der Khmer-Rouge-Steinzeitkommunisten und
Bürgerkrieg erschütterten Kambodscha
aufzubauen und zu betreiben begonnen hat. Die neue
Chirurgie-Abteilung umfasst neben zwei modern
ausgerüsteten Operationssälen eine
50-Betten-Station und eine eigene
Sauerstoffproduktion. Zu den seit der Eröffnung
der Klinik gemachten Neuanschaffungen gehören
weiter zwei normale Bettenstationen mit je 26 Liegen,
ein Computertomograph, ein Verbrennnungsofen für
medizinische Abfälle, eine eigene
Trinkwasseraufbereitung sowie zwei Stromgeneratoren.
Der Bau des gesamten Spitals hat damit rund 9
Millionen Franken gekostet; diese Summe konnte
Richner, wie üblich bei seinen Projekten,
vollständig durch grosszügige private
Spenden aus der Schweiz decken.
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- Kostenlose
Pflege - dringend notwendig
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- Im
Unterschied zu Richners zwei in der Hauptstadt Phnom
Penh gelegenen ersten Kliniken, Kantha Bopha I und II,
die nach einer im Kindesalter an Leukämie
gestorbenen Tochter von König Sihanouk benannt
sind, trägt
- diejenige
in Siem Reap den Namen eines Khmer-Herrschers des 12.
Jahrhunderts, der in seinem Reich 201 Spitäler
hatte erbauen lassen. Wie in Richners
hauptstädtischen Kliniken ist auch in der
Jayavarman VII. die Behandlung für die kleinen
Patienten und ihre Familien völlig unentgeltlich.
Das ist wohl auch dringend nötig.
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- Zwar
liegt Siem Reap unmittelbar neben den
weltberühmten Ruinen von Angkor Wat, die seit
einiger Zeit wieder Heerscharen von Touristen anziehen
und damit auch einiges an ausländischen Devisen
in die Stadt locken. So säumen
- deren
sonst ländlich-verschlafene Strassen mittlerweile
auch schon einige luxuriöse Hotelneubauten. Doch
eigentlich ist Siem Reap Zentrum einer bitterarmen
Gegend, zu der auch die letzten Rückzugsgebiete
der Guerillas der Khmer Rouge gehören, welche
noch bis vor zwei Jahren den Regierungstruppen
erbitterte Gefechte lieferten. Hier in
Nordkambodscha
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das jährliche Pro- Kopf-Einkommen unter dem
landesweiten Durchschnitt von 300 Dollar pro Jahr.
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- Obwohl
die Nordkambodschaner über kein Geld für
medizinische Versorgung verfügen, haben sie
diese, wie die Bilanz der Klinik Jayavarman VII.
beweist, dringend nötig: Seit der Eröffnung
im April 1999 wurden hier 7000 schwerkranke Kinder
hospitalisiert und über 60 000 ambulant
behandelt. Täglich wurden mehrere hundert kleine
Patienten geimpft, und zudem wurden hier weit
über hunderttausend Kambodschanern, Kindern und
Erwachsenen, die Grundzüge moderner
Gesundheitserziehung beigebracht. Die zumeist auf
Fahr-und Motorrädern antransportierten und
häufig splitternackten oder nur mit alten
Stoffetzen notdürftig bekleideten kleinen
Patienten werden in der Regel von mehreren
Familienangehörigen begleitet. Ist in der
grossen, luftig-hellen Aufnahmehalle des Spitals das
Prozedere der Aufteilung in Not-und weniger dringende
Fälle einmal abgeschlossen, so klären
medizinische Angestellte den ganzen Tag über
immer wieder die in Kleingruppen zusammengefassten
Wartenden über Körperhygiene, die
Wichtigkeit des Abkochens von Trinkwasser und
ähnliches mehr auf.
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- Das
Jayavarman-Spital geht ursprünglich auf
Kambodschas König Sihanouk zurück, der
Richner immer wieder dazu gedrängt hat, in Siem
Reap eine dritte Klinik zu eröffnen. Ein
verständlicher Wunsch, waren in Nordkambodscha
lebende Eltern kranker Kinder doch zuvor gezwungen,
mit diesen teilweise über dreihundert Kilometer
weit nach Phnom Penh zu einem der beiden
Kantha-Bopha-Spitäler zu fahren oder sie
möglicherweise sterben zu lassen, denn eine
Alternative zu Richners Kinderkliniken gab und gibt es
bisher landesweit nicht.
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- Die
Realisierung des Vorhabens ermöglicht hat
Ministerpräsident Hun Sen, indem er anordnete,
kostenlos ein ursprünglich für ein
Strassenbauprojekt bestimmtes, ungefähr eine
Hektare grosses Gelände zur Verfügung zu
stellen. Der Ministerpräsident unterstrich bei
der Einweihung des Chirurgietrakts in einer kurzen
Ansprache seine Dankbarkeit für die Arbeit des
Schweizer Arztes Richner und betonte, dieser
könne bezüglich all seiner Projekte in
Kambodscha fortan auf die volle Unterstützung
durch ihn selbst, aber auch durch alle anderen
Regierungsstellen des Landes zählen. Diesen
Umständen und Worten messen Richner und auch die
leitenden kambodschanischen Angestellten der
Jayavarman VII. grosse Bedeutung zu.
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- Der
Grund dafür ist, dass Richners Projekte in den
mittlerweile neun Jahren seines Wirkens bei
kambodschanischen Regierungsstellen trotz allen
anerkannten Verdiensten nicht immer unumstritten
gewesen sind. Insbesondere von seiten des
Gesundheitsministeriums, das laut seinen Worten dem
Einfluss der Weltgesundheitsorganisation WHO und
ausländischer Nichtregierungsorganisationen (NGO)
ausgesetzt ist, sind dem Schweizer Arzt in der
Vergangenheit immer wieder Hindernisse in den Weg
gelegt worden. Denn die WHO und viele der NGOs
bezichtigen Richner, in Kambodscha eine
«Luxusmedizin» zu betreiben, und reden
ihrerseits einer angeblich der im Land herrschenden
Armut besser angepassten «Basis-» oder
«Barfussarzt-Medizin» das Wort. Mit der
Überzeugung des dem hippokratischen Eid
verpflichteten Arztes antwortet Richner auf diesen
Vorwurf seit Jahren mit dem gleichen Argument:
sinnvoll und menschlich vertretbar sei lediglich eine
einzige Medizin, eine gute, korrekte nämlich,
gleichgültig in welchem Land und ob die Patienten
nun arm oder reich seien.
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- Beeindruckende
Erfolgsbilanz
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- Einiges
an den Vorwürfen des «Luxus» widerlegt
schon ein simpler Augenschein in Richners
kambodschanischen Kliniken. So sind beispielsweise in
der Jayavarman-Klinik, trotz dem in Siem Reap
herrschenden tropischen Klima, nur Räume wie
Operationssäle und das medizinische Labor, deren
Funktionsweise dies unabdingbar machen, mit
Klimaanlagen ausgestattet. Alle anderen Räume
hingegen, von der Aufnahmehalle bis zu den
Bettenpavillons, sind über die gute, den
natürlichen Luftzug nicht behindernde Bauweise
hinaus nur mit billigen Deckenventilatoren
bestückt. Der Grund dafür ist laut Richner,
dass die Kinderpatienten und ihre Angehörigen
eben nicht an Lebensumstände gewöhnt werden
sollen, die sie sich kaum je werden leisten
können. Über einige zugegebenermassen teure,
aber aus medizinischen Gründen notwendige
Apparate hinaus ist aber das einzige, was Richners
Kliniken mit luxuriösen westlichen Spitälern
gemeinsam haben, dass sie im Unterschied zu den
herkömmlichen kambodschanischen
Krankenhäusern stets peinlich sauber gehalten
werden.
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- Dass
mittlerweile auch im Gesundheitsministerium in Phnom
Penh ein Umdenken stattgefunden hat, ist aber wohl
weniger auf solche Argumente denn auf die sehr
unterschiedlichen Erfolgsbilanzen von Richner
einerseits und der WHO und der ihr nahestehenden NGOs
anderseits zurückzuführen. Nach
neunjähriger Aufbauarbeit werden in Richners drei
Kliniken nun jährlich 400 000 kranke Kinder
untersucht und behandelt, davon müssen 30 000
schwerkranke kleine Patienten während
durchschnittlich je fünfeinhalb Tagen
stationär versorgt werden. Neben 3600 operativen
Eingriffen werden auch hunderttausend Impfungen
vorgenommen. Laut Richners Statistik müssten ohne
seine Kliniken monatlich 2400 kambodschanische Kinder
an Krankheiten und Unfallfolgen sterben. Mittlerweile
sind zudem gut 70 Prozent der 10 Millionen
zählenden kambodschanischen
Gesamtbevölkerung als Patienten oder Begleiter
von solchen mit Richners Kliniken in direkten Kontakt
gekommen. Die Projekte haben damit als «gute
Vorbilder» in mehrerlei Hinsicht eine enorme
Breitenwirkung entwickelt. Zum einen weiss die
Bevölkerungsmehrheit heute, wie gute
Gesundheitsversorgung sein sollte. Zum anderen handelt
es sich bei diesen Kliniken um die vielleicht einzige
wirklich nichtkorrupte Institution des immer noch
unter den Kriegsfolgen leidenden Landes. Bei Richner
werden buchstäblich vom Ministersohn bis zum
armen Bauernbaby alle gleich behandelt. Damit haben
die Spitäler eine politische Dimension erlangt,
wie auch Ministerpräsident Hun Sen zugibt, der
sich der Korruptheit seines Apparates offenbar
durchaus bewusst ist.
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- Anhaltender
Streit mit der WHO
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- WHO
und NGOs hingegen haben es offenbar in all den Jahren,
in denen sie Richners Tatendrang mit Kritik und
Beeinflussung von Regierungsstellen zu bremsen
versuchten, trotz teilweise grossem finanziellem
Aufwand nicht geschafft, in Kambodscha eine
medizinische Akutversorgung oder wenigstens ein
tragfähiges Präventiv- und Impfsystem auf
die Beine zu stellen. Krasses negatives Beispiel ist
eine mit japanischen Mitteln ebenfalls in Siem Reap
erstellte Poliklinik, auf deren Bau gleich viele
Mittel verwendet wurden wie für das
Jayavarman-Spital, der aber dreimal solange dauerte;
sie funktioniert heute so schlecht, dass Richners
Klinik regelmässig um die Übernahme von
Patienten gebeten werden muss.
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- Schlimmer
noch, und dieses Thema bringt Richner beim
Erzählen regelrecht in Rage, sollen WHO und
zugewandte Orte in den letzten Jahren in Kambodscha
unter anderem eine Tuberkulose- Epidemie nicht nur
nicht verhindert, sondern durch falsche
«billige» Impfungen und Behandlungen
geradezu mitverursacht haben. Heute sind nach Richners
Erhebungen in Nordkambodscha 70 Prozent, in Phnom Penh
rund die Hälfte der Kinder und vermutlich auch
ihrer erwachsenen Angehörigen mit Tuberkulose
infiziert. Seine Kliniken bekämpfen diese mit
einem wirksamen aber teuren Medikament aus Basel,
während die WHO immer noch mit einem Mittel gegen
die Krankheit vorzugehen versucht, das
tatsächlich nicht viel kostet, das aber in den
entwickelten Industriestaaten wegen gefährlicher
Nebenwirkungen verboten ist - und dessen Wirksamkeit
gegen die zunehmend resistenten
Tubekulosebakterienstämme zumindest zweifelhaft
ist.
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- Zumal
Richner der WHO überdies zum Vorwurf macht, auch
bei der
Nicht-Verhinderung
einer Welle von Dengue-Fieber sowie bei
der
Weiterverbreitung
der Anfang der neunziger Jahre von
Uno-Truppen
eingeschleppten
Aids- Seuche in Kambodscha eine ähnlich
unrühmliche Rolle
gespielt
zu haben wie bei der Tuberkulose, hat sich in den
letzten Monaten
und
Jahren seine Auseinandersetzung mit dieser
Organisation immer mehr
verschärft.
Der Schweizer Arzt ist mittlerweile ob dieser
Polemiken so
verbittert,
dass er im Dezember letzten Jahres beim
Internationalen
Gerichtshof
in Den Haag formell Klage gegen die WHO, das
Uno-Kinderhilfswerk
Unicef
und andere dem Uno Konzept einer «speziellen
Medizin für Arme in
armen
Ländern» anhängende Organisationen
wegen «Verbrechen gegen
die
Menschheit»
und «vorsätzlicher Verweigerung
medizinischer Versorgung»
sowie
wegen
«Verletzung der Rechte des Kindes»
eingereicht hat. Die Klage
ist
durch
detailliertes, im Spitalalltag der Richner-Kliniken
angefallenes
statistisches
Material reich dokumentiert.
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- Glücklich
ist Richner umgekehrt darüber, dass die
Bereitschaft der
Schweizer
Bevölkerung
bisher nicht nachgelassen hat, mit Privatspenden die
Betriebs-,
Unterhalts-
und Behandlungskosten seiner Spitäler -
mittlerweile mit einem
Budget
von zwölf Millionen Franken pro Jahr - zu
finanzieren. Zudem steht
Richner,
der sich in seiner streitbaren Art in den
Anfangsjahren schnell
auch
in zeitweise intensive Konflikte mit der Berner
Direktion für
Entwicklung
und Zusammenarbeit verwickelt hatte, mittlerweile auch
mit der
offiziellen
Eidgenossenschaft wieder auf gutem Fuss. Er hofft,
dass der Bund
sich
in den dieses Jahr fälligen Verhandlungen dazu
bereit erklären
wird,
die
bisherigen Beiträge von jährlich eineinhalb
Millionen Franken auf die
drei
Millionen aufzustocken, welche ihm, so meint Richner,
der unterdessen verstorbene Bundesrat Delamuraz einst
versprochen hatte.
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2000, NZZ
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